Wie schön! Es ist wieder offen.

Sehr geehrte Kund*innen!

Erstmals Vielen Dank an Alle, die sich auch im Lockdown mit Ihren Bücherwünschen an uns gerichtet haben. Jetzt haben wir aber glücklicherweise diese Phase gut überstanden und dürfen die heilige Halle wieder öffnen. Hier sei gleich vermerkt. Bis Ende April schließt die Buchhandlung um 18h statt um 19h.

Es gibt ja im Frühjahr gerade im Bereich der Literatur einige hochinteressante Neuerscheinungen, (Monika Helfer, Raphaela Edelbauer, David Schalko, Franzobel beispielsweise sind schon erschienen, Christoph Ransmayr, Daniel Wisser oder Juli Zeh folgen in Bälde, um nur einige zu nennen). Also rein in die Buchhandlung und ran an das Buch!

Besprechungen zu Kinder – und Jugendbücher finden Sie hier

Franzobel, Die Eroberung Amerikas. Zsolnay € 26,80.

Wild drauflos schwadroniert und fabuliert wird hier, und das mit großem Sprachwitz und nicht geringer Kunst im Schmieden schöner Worte. Dass nicht jeder Kalauer ein Volltreffer ist, sei verziehen, und das der Spannungsbogen manchmal etwas verlorengeht in dieser Geschichte über eine Expediton in die Südstaaten der USA im 16. Jahrhundert, mag man hinnehmen, und lässt sich belustigt das Panoptikum der skurillen Gestalten auf den Buchseiten präsentieren.

Joachim B.Schmidt, Kalmann. Diogenes €22,70

Äußerst liebenswert präsentiert sich der naiv-einfältige Held in diesem skurillen, schrägen, und unterhaltsamen Buch über einen Kriminalfall in einem abgelegenen isländischen Fischerdorf. Kalmann, seines Zeichens der letzte Gammelhaihersteller Raufarhöfns, hat es nicht leicht, als der reichste Mann im Dorf plötzlich ungeklärt verschwunden ist und er sich im Spannungsfeld von zwielichtigen litauischen Schönheiten, der Polizei, und eventuell herumstreunenden Eisbären, behaupten muss.

Jean-Paul Dubois, Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise. € 22,70

Wer gerne wunderbar stimmige, schön und spannend zu lesenden Roman mag, den sei dieser mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete Roman sehr ans Herz gelegt. Ein Mann sitzt in einem kanadischen Gefängnis, und nach und nach wird erzählt, wie es zur Straftat kommen konnte, aber auch seine Lebensgeschichte, die Geschichte seiner Eltern, seine Liebesgeschichte werden nach und nach in diesem feinen, schmalen Roman enthüllt.

Deniz Ohde; Streulicht. Suhrkamp € 22,70

In diesem ruhigen, genau beobachteten, einfühlsamen Roman erinnert sich die namenlose Heldin an ihre Kindheit und Jugend in einer deutschen Industriestadt. Der Vater, ein schweigsamer, zunehmend dem Alkohol verfallender Arbeiter, die leidende, aus der Türkei stammende Mutter, die Freunde aus besseren Häusern, und vor allem die subtilen, unfairen Verunglimpfungen, die sie, ohnehin schüchtern, noch mehr verunsichern und in sich zurückziehen lassen. Ein sehr lesenswerter Roman einer jungen deutschen Autorin.

Stephan Roiss, Triceratops. Kremayr&Scheriau € 20.-

Die Aufarbeitung der Jugend am Land, ein nimmermüder Topos der österreichischen Literatur, rangiert ja auch heuer wieder ganz prominent unter den Neuerscheinungen. Stephan Roiss wählt den poetisch-eindringlichen Zugang aus der Sicht des Erzählers, schildert in kurzen Momentaufnahmen die Geschichte eines Jugendlichen im Spannungsfeld der psychisch labilen Mutter, des resigniert-erschöpften Vaters, steigert sich in zunehmender Eindringlichkeit hinein in die kindlich/jugendlichen Unsicherheiten, schulischen Hänseleien, ersten prägenden Schritten in Sachen Liebe, der Verlorenheit und des daraus resultierenden psychischen Drucks. Auch auf der Longlist zum deutschen Buchpreis zu finden.
https://www.deutscher-buchpreis.de/nominiert/

Rye Curtis, Cloris. C.H.Beck € 24,70

Der Plot. Die 72-jährige Cloris, mit ihrem Mann in einem kleinen Flugzeug unterwegs, überlebt als Einzige den Absturz in der Wildnis. Kein Funkkontakt möglich. In der Ferne der Rauch eines Lagerfeuers. So beginnt die Geschichte, die die über 90-jährige Cloris im Altersheim erzählt. Es geht also gut aus, aber ohne (mysteriöse) Hilfe geht es doch nicht. Parallel dazu beginnt die Suche, angeführt von einer Rangerin mit massivem Rotweinkonsum und auf Selbstfindungssuche. Mit fast lakonischer Unaufgeregtheit, originell, spannend, ohne Theatralik oder Heroik erzählt, mit liebenswerten, komplexen Charakteren versehen, ein sehr interessantes Buch eines jungen amerikanischen Autors, von dem man vermutlich, und hoffentlich, noch einiges zu lesen bekommen wird.

Zora del Buono. Die Marschallin. C.H. Beck €24,70

Erzählt wird, und das im flotten Ton und knapper, schnörkelloser Sprache, die Lebensgeschichte der Zora del Buono (und Großmutter der Autorin, daher die Namensgleichheit), geboren im Socatal in der Zeit der Monarchie, die nach dem ersten Weltkrieg einen italienischen Arzt heiratet, sich politisch für den Kommunismus engagiert, trotzdem aber das Leben einer großbürgerlichen Dame führt und sich um ihre weit verzweigte Familie kümmert. Lebhafter Familienroman rund um eine resolute Frau im ereignisreichen 20 Jahrhundert.

Victor Jestin, Hitze. Kein und Aber € 20,60

Ein Jugendlicher in den Ferien am Campingplatz mit Familie, schüchtern, verunsichert, auf der Suche nach dem ersten Mal, verliebt, verstört, im Grunde einsam, und vor allem eins: schuldgeplagt. Denn er sah zu, wie ein flüchtig bekannter Jugendlicher, betrunken, in der Nacht, mithilfe der Seile einer Kinderschaukel, Selbstmord begeht. Oder war es ein Unfall? Jedenfalls greift er nicht ein, obwohl er es könnte, und er weiß selbst nicht warum, und noch weniger weiß er, warum er ihn dann in den Dünen verscharrt. Und so stolpert er gequält, panisch, trotzig und im Versuch, alles zu verdrängen, durch den von einer erbarmungloses Hitzewelle heimgesuchten Campingplatz. Verstörende, intensive, einfühlsame Lektüre.