Giorgio Scerbanenco, Das Mädchen aus Mailand. Folio € 18.-

Der Auftakt zur in den 1960er Jahren entstandenen Krimi Tetralogie rund um Duca Lamberti. Mehr eine Untersuchung über Ethik und Moral, tritt die Krimihandlung angesichts der ausführlichen Dialoge und Reflexionen teils in den Hintergrund, einen Show- down gibt es aber trotzdem. Empfohlen für jene, die im Genre die Untersuchung der bösen Seiten der conditio humana suchen und nicht spannungsgeladene oder verzwickte Pageturner.

Tonio Schachinger, Nicht wie ihr. Kremayr und Scheriau. € 22,90

Im Mittelpunkt steht Ivo Trifunovic, kurz vor seinem 27. Geburtstag stehender, sehr gut bezahlter Profifußballer.
In Wien aufgewachsen, Migrationshintergrund, ehemaliger Käfigkicker, unangepasstes Genie, österreichischer Nationalspieler, leichter Hang zum Enfant terrible. Man kennt diese Versatzstücke, aber gänzlich ohne Banalität entspinnt sich daraus ein Porträt eines Zerrissenen, zwischen Familie und Jugendliebe, alten Freundschaften und der Entfremdung zu seinem geliebten Wien hin und her geworfenen Mannes. Man erlebt die (vorgezogene) Mid-life crisis eines sein Karriereende vor sich sehenden Spielers, begleitet ihn bei seiner Identitätsfindung zwischen Machogehabe und Sensibilität, schnellen Autos und viel Sex. Hohe Passquote, perfekte Laufwege, gelungenes Stellungsspiel, um es im Fußballerjargon auf den Punkt zu bringen, wesentlich anregender und unterhaltsamer als so manches Rumgemurkse, das uns im Fernsehen aufgetischt wird. Und eine grandios geschriebene und wahrscheinlich lustigste/beste Sexszene seit langem!

Keigo Higashino, Ich habe ihn getötet. Piper €10,30

Ein gänzlich unblutiger, subtil spannender und den Leser bis zum Schluss, und darüber hinaus, fordernder Krimi aus Japan. Ein Mord, drei Verdächtige, ein Showdown a la Agatha Christie, ein an Columbo angelehnter Ermittler, wohltuender Weise ohne Alkohol oder sonstige Probleme, und ein sich zunehmend verflechtendes Netz aus gegenseitigen Anschuldigungen. Erfrischend, ohne Gewalt, Grauslichkeiten und Verfolgungsjagden.

Norbert Scheuer, Winterbienen. C.H. Beck €22.70

Egidius Arimond – der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtauglich ist, erlebt in der Eifel das Jahr 1944. Er betätigt sich als Fluchthelfer für jüdische Flüchtlinge und bringt diese in speziell dafür ausgestatteten Bienenstöcken zur Grenze. Ein spannend geschriebener Roman in Form von Tagebuchaufzeichnungen, handelt er auch von der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft angesichts von überfliegenden Bombern. Nebenbei kann man viel über das Leben der Bienen erfahren, da er seine Freizeit der Imkerei widmet.
Rezensiert von Monika

Deborah Levy, The man who saw everything. Hamish Hamilton € 19,80

After „Swimming home“ and „Hot Milk“, both superb, convincing, slighty strange and beguiling, Deborah Levys new book offers an even more twisted and bewildering charakter in Saul Adler. It is not easy to retell the plot in only a few sentences. As a young historian, he is spending some (amorous) weeks in the still totalitarien, Stasi infestet GDR of 1988, shortly after being dumped by his girlfriend, aspiring Photographer Jennifer Moreau. Almost 3o years later, lying in Hospital after being hit by a car trying to cross the famous Abbey Road, remembrance comes back in bits and pieces, and the tragic life, and the lifes of those he met, slowly unfolds, past and present wittingly and confusingly mixed, seemingly endowing Saul with the gift of foresight. Although, as is becoming ever more clearer that he drifts in and out of consciousness, one is baffled as to what is fiction and what imagination. Often left slighty puzzled by the weirdness of the going-ons and the strangeness of the conversations, the ambitious reader can´t but find joy in the pages of this highly accomplished writer.

Simone Buchholz, Hotel Cartagena. Suhrkamp € 16,50.

Die Buchholz schreibt ja ganz großartige Krimis, zum Beispiel „Blaue Nacht“, aber diesmal schreibt sie leider nur eine Hälfte lang einen guten Krimi. Alle Versatzstücke sind da. Komplexe Geschichte in zwei Handelssträngen, gekonnte Dialoge, Witz, Tempo, die bekannten Charaktere marschieren auf, und dann passiert leider fast gar nichts mehr, die Geschichte wird abstruser, die Heldin Chastity Riley fällt seitenlang ins Delirium und irgendwann ist das Buch dann aus. Man kann das als auf auf die Spitze getriebene Avantgardistik nehmen oder eher enttäuscht sein. Urteilt selbst oder, besser, lest die „Blaue Nacht“

Sophie Kinsella, Dich schickt der Himmel. Goldmann € 10,30

Ein erfrischend realistischer, aber dennoch Kinsella-typischer Roman über eine junge Frau mit dem Tick, immer alles in Ordnung bringen zu müssen. Man fühlt sich der leicht neurotischen Fixie Farr sofort verbunden, wenn man sie bei ihrem Weg, endlich mal mutig zu sein und ihre Meinung zu sagen, begleitet. Die Romantik kommt natürlich auch nicht zu kurz. Freut euch auf den in Kürze erscheinenden 9. Teil der Shopaholic-Reihe „Christmas Shopaholic“
Rezensiert von Sandra