Norbert Scheuer, Winterbienen. C.H. Beck €22.70

Egidius Arimond – der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtauglich ist, erlebt in der Eifel das Jahr 1944. Er betätigt sich als Fluchthelfer für jüdische Flüchtlinge und bringt diese in speziell dafür ausgestatteten Bienenstöcken zur Grenze. Ein spannend geschriebener Roman in Form von Tagebuchaufzeichnungen, handelt er auch von der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft angesichts von überfliegenden Bombern. Nebenbei kann man viel über das Leben der Bienen erfahren, da er seine Freizeit der Imkerei widmet.
Rezensiert von Monika

Sophie Kinsella, Dich schickt der Himmel. Goldmann € 10,30

Ein erfrischend realistischer, aber dennoch Kinsella-typischer Roman über eine junge Frau mit dem Tick, immer alles in Ordnung bringen zu müssen. Man fühlt sich der leicht neurotischen Fixie Farr sofort verbunden, wenn man sie bei ihrem Weg, endlich mal mutig zu sein und ihre Meinung zu sagen, begleitet. Die Romantik kommt natürlich auch nicht zu kurz. Freut euch auf den in Kürze erscheinenden 9. Teil der Shopaholic-Reihe „Christmas Shopaholic“
Rezensiert von Sandra

Mareike Fallwickl. Das Licht ist hier viel heller. Frankfurter Verlagsanstalt € 24,70

Die beiden Hauptprotagonisten des Romans sind: Wenger, ein einst erfolgreicher und gefeierter, aber nun in Selbstmitleid, Suff und Bedeutungslosigkeit versinkender Schriftsteller, und seine Tochter Zoey, im letzten Schuljahr und in ihrer Verunsicherung zwischen Liebesunglück und kreativer Selbstfindung von ihren geschiedenen und restlos mit sich selbst beschäftigten Eltern im Stich gelassen. Und eine Reihe Briefe, die dem Schriftsteller zufällig in die Hände fallen und die er hemmungslos für seinen neuen Roman ausschlachtet, der ihn zurück ins Rampenlicht katapultiert. In den Briefen, und im Roman, geht es auch um sexuelle Gewalt an Frauen, und da er zeitgleich mit dem Beginn der #metoo Kampagne erscheint, ist sein Erfolg gewiss. Wenger, selbst ein Vertreter der zynischen Sorte Mann, gibt nicht wirklich überzeugend den Geläuterten und Aufdecker männlicher Abartigkeit, während Zoey, enttäuscht und entfremdet und mit ihren Problemen allein gelassen, ihren eigenen Weg findet. Klug und genau beobachtet, erzählt In einer wunderbar intensiven Sprache, die sich nicht scheut mal emotional, mal lustig, mal deftig zu sein, ist es besonders die Figur der Zoey, die unglaublich nah und fesselnd und nachvollziehbar geschildert ist, wie der Roman überhaupt sehr spannend und anregend zu lesen ist.

Martyna Bunda, Das Glück der kalten Jahre. Suhrkamp € 24,70

Eine Erzählung um drei Schwestern und ihre Mutter, der in einer abgelegen Region Polens spielt. Beginnend mit dem Zweiten Weltkrieg und vor den Hintergrund des kommunistischen Regimes, begleitet der Roman die drei ungleichen Schwestern auf ihren ungleichen Lebenswegen. Ohne Sentimentalität, aber einfühlsam, werden vier starke Frauen, in ihrer Unterschiedlichkeit, Rivalität, aber letzten Endes in ihrem starken Zusammenhalt, porträtiert.

Thomas Mayer, Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse. Diogenes €12,40

Modercai Wolkenbruch, genannt Motti, ist 25, lebt in Zürich, studiert, arbeitet nebenbei in der Versicherungsfirma seines Vaters, oder umgekehrt, und ist der jüngste Spross einer traditionellen jüdischen Familie. Und er hat ein ziemlich großes Problem. Seine Mame. Die hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, ihn schnellstmöglich unter die Haube zu bekommen. Und dieses Ziel verfolgt sie mit geradezu unbarmherziger Wucht. Ein arrangiertes Date folgt dem anderen, und als der Pool an in Frage kommenden jüdischen Schweizerinnen erschöpft ist, wird er sogar nach Israel geschickt. Was für den Motti ja durchaus beglückend ausgeht, wenn auch nicht im Sinne seiner Mame. Die Situation spitzt sich zu, Motti wird (im Sinne seiner Mutter) immer renitenter, denn eigentlich schaut er am liebsten einer bestimmten Gojim auf den Tuches. Lustig, mit zahllosen jiddischen Ausdrücken gespickt. Und zum Weiterlesen. Soeben ist die Fortsetzung „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ erschienen.

Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land. Klett-Cotta € 22,70

Im Zentrum des Romans steht eine Physikerin Mitte 30, an einer Habilitation über das Thema Zeit arbeitend, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, und deren letzter Wunsch es scheinbar gewesen war, in ihrem Geburtsort begraben zu werden. Sie macht sich überhastet dorthin auf, um das Begräbnis zu organisieren, und muss erkennen, das es diesen Ort scheinbar nicht gibt, zumindest scheint er auf keiner Karte und in keinem Verzeichnis auf. Nur durch Zufall ein Gespräch an einer Tankstelle belauschend, findet sie schließlich in dieses mysteriöse Groß-Einland. Sehr gekonnt, fast beiläufig, kippt die Geschichte ins Absurde, wechselt das Reale mit dem Komischen, überlagert das Historische den scheinbar zeitlosen Alltag in der von einer allmächtigen Gräfin beherrschten, auf einem ausgehöhlten Berg liegenden und in diesen zu versinken drohenden Gemeinde.
Ein ganz wunderbarer, origineller und sprachlich exzellenter, verspielter Roman!

Laura Freudenthaler, Die Königin schweigt. btb € 10.30

Soeben als Taschenbuch erschienen, erzählt Laura Freudenthaler die Lebensgeschichte von Fanny, von der Geburt in den 30iger Jahren auf einem Bauernhof in der österreichischen Provinz bis hin zum hohen Alter. In sanfter, umso eindringlicheren Sprache erzählt, entsteht in einer Kombination aus Rückblenden und Szenen aus dem einsamen Alltag einer alten Frau ein liebevolles, eindringliches, melancholisches, mitunter trauriges Porträt einer starken, eigenwilligen und verschlossenen Frau.

Nora Bossong, Schutzzone. Suhrkamp € 24,70

Schon vor Erscheinen auf der Longlist des deutschen Buchpreises, liefert Nora Bossong in diesem Roman Feuilletonfutter vom Feinsten und einen der Romane des Jahres ab. Die Protagonistin arbeitet bei der UNO und war eine Zeitlang in Burundi stationiert, was den Hintergrund für die Frage nach politischer Verantwortung bildet. Daneben entspinnt sich noch eine Beziehungsgeschichte, gespeist aus Erinnerung und Gegenwart. Geschickt verflochten und literarisch gekonnt!

Christine Feret-Fleury, Das Mädchen das in der Metro las. Dumont € 11,40

Bücher sind etwas ganz Besonderes für Juliette – jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit in der Immobilienagentur beobachtet sie die Mitreisenden in der Metro bei deren Lektüre und hat selbst auch immer ihr Buch dabei. Ob in den Tiefen eines Liebesromans eingetaucht oder in der Welt der Insekten versunken, sie begegnet ihnen täglich. Nur einmal steigt sie zwei Stationen früher aus der Metro – und schon nimmt ihr Leben eine neue Wendung. Sie trifft auf Soliman, der ihr beibringt dass ein Buch die Kraft hat das Leben zu verändern. Eine sehr schöne Lektüre für Buchliebhaber. (Rezensiert von Monika, einer langjährigen buchhändlerischen Weggefährtin)

Bastienne Voss, Grünauge sieht dich. Picus € 24.-

Wir kehren zurück in das Jahr 1989. Ein Mann um die Vierzig, Physiker, Spezialist für Atommüllentsorgung, beruflich stagnierend, die Beziehung ein bisschen abgeflaut, gefangen in einem Reihenhaus am Rande von Mannheim, also ganz generell gefrustet und förmlich nach Ausbruch schreiend, besucht einen Verwandten im Osten. Gerät dort ins Visier des Geheimdiensts. Und in das einer schönen Halbwüchsigen, die komischerweise noch dazu die Tochter des auf ihn angesetzten Agenten ist. Eine Amour fou kurz vor/während/nach dem Mauerfall, erzählt mit einer Mischung aus Humor und Gespür für das Absurde.