Claire Lombardo, Der größte Spaß, den wir je hatten. DTV 25,70

Erzählt wird die Geschichte des Mittelstandsehepaares Sorenson und ihrer 4 Töchter. In vielen kleinen Rückblenden entsteht ein intensives Porträt einer Familie im Wechselspiel von (liebevoller) Ehe und dem Heranwachsen der vier unterschiedlichen Töchter. Die zahlreichen Verwicklungen werden in gut gesetzten Rückblenden geschickt zu einem spannenden Handlungsbogen zusammengesetzt, die Sprache ist unkompliziert und reich an Dialogen, so dass man gleich in das Buch reinkippt und die knapp 700 Seiten kurzweilig und anregend zu lesen sind. Also available in english „Claire Lombardo; The most fun we ever had.“

Elizabeth McKenzie, Im Kern eine Liebesgeschichte. Dumont € 12,40

Die leicht exzentrische Veblen, Tochter einer sehr exzentrischen, emotional fordernden, tendenziell manipulativen Mutter, trifft auf den ambitionierten Arzt Paul, der seine ebenfalls verschrobene Familie möglichst auf Abstand hält und sich dafür ziemlich ehrgeizig und leicht naiv in die Arme einer Pharmafirma wirft. Trotz der nicht gerade einfachen Rahmenbedingungen und des von zu Hause aus umgeschnallten emotionalen Ballasts versuchen die beiden ihr Glück. Es gibt Höhen und Tiefen, lustige und skurille Szenen, dazu einen Schuss Romantik. Das Ergebnis ist eine flott und gut erzählte (Liebes)-geschichte.

Lia Tilon, Der Archivar der Welt. dtv € 22,70

Basierend auf einer wahren Begebenheit und realen Personen, wird die Geschichte des Bankiers Albert Kahn erzählt, der Anfang des 20. Jahrhunderts mittels dem Medium der Fotografie begann, ein Archiv der Welt zu erschaffen, mit dem er ein völkerverbindendes Instrument des Friedens anlegen wollte. Den Beginn dazu legte er auf einer ersten Reise 1908, auf die ihn sein zum Fotografen umgeschulter Chaffeur Alfred Dutertre begleitete. Dieser ist auch der Erzähler des Romans, der teils in Rückblicken die damalige Reise schildert, andererseits auch das düstere Scheitern angesichts des ausbrechenden Zweiten Weltkriegs heraufbeschwört. Ein netter, teils ein bisschen holprig zu lesender Roman. Das Archiv hat übrigens überlebt und ist in Paris zu besichtigen, ein paar der abertausenden Fotos sind dem Buch angefügt.

Tonio Schachinger, Nicht wie ihr. Kremayr und Scheriau. € 22,90

Im Mittelpunkt steht Ivo Trifunovic, kurz vor seinem 27. Geburtstag stehender, sehr gut bezahlter Profifußballer.
In Wien aufgewachsen, Migrationshintergrund, ehemaliger Käfigkicker, unangepasstes Genie, österreichischer Nationalspieler, leichter Hang zum Enfant terrible. Man kennt diese Versatzstücke, aber gänzlich ohne Banalität entspinnt sich daraus ein Porträt eines Zerrissenen, zwischen Familie und Jugendliebe, alten Freundschaften und der Entfremdung zu seinem geliebten Wien hin und her geworfenen Mannes. Man erlebt die (vorgezogene) Mid-life crisis eines sein Karriereende vor sich sehenden Spielers, begleitet ihn bei seiner Identitätsfindung zwischen Machogehabe und Sensibilität, schnellen Autos und viel Sex. Hohe Passquote, perfekte Laufwege, gelungenes Stellungsspiel, um es im Fußballerjargon auf den Punkt zu bringen, wesentlich anregender und unterhaltsamer als so manches Rumgemurkse, das uns im Fernsehen aufgetischt wird. Und eine grandios geschriebene und wahrscheinlich lustigste/beste Sexszene seit langem!

Norbert Scheuer, Winterbienen. C.H. Beck €22.70

Egidius Arimond – der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtauglich ist, erlebt in der Eifel das Jahr 1944. Er betätigt sich als Fluchthelfer für jüdische Flüchtlinge und bringt diese in speziell dafür ausgestatteten Bienenstöcken zur Grenze. Ein spannend geschriebener Roman in Form von Tagebuchaufzeichnungen, handelt er auch von der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft angesichts von überfliegenden Bombern. Nebenbei kann man viel über das Leben der Bienen erfahren, da er seine Freizeit der Imkerei widmet.
Rezensiert von Monika

Sophie Kinsella, Dich schickt der Himmel. Goldmann € 10,30

Ein erfrischend realistischer, aber dennoch Kinsella-typischer Roman über eine junge Frau mit dem Tick, immer alles in Ordnung bringen zu müssen. Man fühlt sich der leicht neurotischen Fixie Farr sofort verbunden, wenn man sie bei ihrem Weg, endlich mal mutig zu sein und ihre Meinung zu sagen, begleitet. Die Romantik kommt natürlich auch nicht zu kurz. Freut euch auf den in Kürze erscheinenden 9. Teil der Shopaholic-Reihe „Christmas Shopaholic“
Rezensiert von Sandra

Mareike Fallwickl. Das Licht ist hier viel heller. Frankfurter Verlagsanstalt € 24,70

Die beiden Hauptprotagonisten des Romans sind: Wenger, ein einst erfolgreicher und gefeierter, aber nun in Selbstmitleid, Suff und Bedeutungslosigkeit versinkender Schriftsteller, und seine Tochter Zoey, im letzten Schuljahr und in ihrer Verunsicherung zwischen Liebesunglück und kreativer Selbstfindung von ihren geschiedenen und restlos mit sich selbst beschäftigten Eltern im Stich gelassen. Und eine Reihe Briefe, die dem Schriftsteller zufällig in die Hände fallen und die er hemmungslos für seinen neuen Roman ausschlachtet, der ihn zurück ins Rampenlicht katapultiert. In den Briefen, und im Roman, geht es auch um sexuelle Gewalt an Frauen, und da er zeitgleich mit dem Beginn der #metoo Kampagne erscheint, ist sein Erfolg gewiss. Wenger, selbst ein Vertreter der zynischen Sorte Mann, gibt nicht wirklich überzeugend den Geläuterten und Aufdecker männlicher Abartigkeit, während Zoey, enttäuscht und entfremdet und mit ihren Problemen allein gelassen, ihren eigenen Weg findet. Klug und genau beobachtet, erzählt In einer wunderbar intensiven Sprache, die sich nicht scheut mal emotional, mal lustig, mal deftig zu sein, ist es besonders die Figur der Zoey, die unglaublich nah und fesselnd und nachvollziehbar geschildert ist, wie der Roman überhaupt sehr spannend und anregend zu lesen ist.

Martyna Bunda, Das Glück der kalten Jahre. Suhrkamp € 24,70

Eine Erzählung um drei Schwestern und ihre Mutter, der in einer abgelegen Region Polens spielt. Beginnend mit dem Zweiten Weltkrieg und vor den Hintergrund des kommunistischen Regimes, begleitet der Roman die drei ungleichen Schwestern auf ihren ungleichen Lebenswegen. Ohne Sentimentalität, aber einfühlsam, werden vier starke Frauen, in ihrer Unterschiedlichkeit, Rivalität, aber letzten Endes in ihrem starken Zusammenhalt, porträtiert.

Thomas Mayer, Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse. Diogenes €12,40

Modercai Wolkenbruch, genannt Motti, ist 25, lebt in Zürich, studiert, arbeitet nebenbei in der Versicherungsfirma seines Vaters, oder umgekehrt, und ist der jüngste Spross einer traditionellen jüdischen Familie. Und er hat ein ziemlich großes Problem. Seine Mame. Die hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, ihn schnellstmöglich unter die Haube zu bekommen. Und dieses Ziel verfolgt sie mit geradezu unbarmherziger Wucht. Ein arrangiertes Date folgt dem anderen, und als der Pool an in Frage kommenden jüdischen Schweizerinnen erschöpft ist, wird er sogar nach Israel geschickt. Was für den Motti ja durchaus beglückend ausgeht, wenn auch nicht im Sinne seiner Mame. Die Situation spitzt sich zu, Motti wird (im Sinne seiner Mutter) immer renitenter, denn eigentlich schaut er am liebsten einer bestimmten Gojim auf den Tuches. Lustig, mit zahllosen jiddischen Ausdrücken gespickt. Und zum Weiterlesen. Soeben ist die Fortsetzung „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“ erschienen.

Raphaela Edelbauer, Das flüssige Land. Klett-Cotta € 22,70

Im Zentrum des Romans steht eine Physikerin Mitte 30, an einer Habilitation über das Thema Zeit arbeitend, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, und deren letzter Wunsch es scheinbar gewesen war, in ihrem Geburtsort begraben zu werden. Sie macht sich überhastet dorthin auf, um das Begräbnis zu organisieren, und muss erkennen, das es diesen Ort scheinbar nicht gibt, zumindest scheint er auf keiner Karte und in keinem Verzeichnis auf. Nur durch Zufall ein Gespräch an einer Tankstelle belauschend, findet sie schließlich in dieses mysteriöse Groß-Einland. Sehr gekonnt, fast beiläufig, kippt die Geschichte ins Absurde, wechselt das Reale mit dem Komischen, überlagert das Historische den scheinbar zeitlosen Alltag in der von einer allmächtigen Gräfin beherrschten, auf einem ausgehöhlten Berg liegenden und in diesen zu versinken drohenden Gemeinde.
Ein ganz wunderbarer, origineller und sprachlich exzellenter, verspielter Roman!